Grenzen setzen – Orientierung geben

Isar Spiellandschaft

Ein Beitrag von Monika Thier

Grenzen setzen – Orientierung geben

Wie bei allen anderen Erziehungsthemen gilt auch hier: „Wer mit Kindern zu tun hat, begegnet ständig zwei Kindern – dem Kind vor mir und dem Kind in mir!“

Um erziehen zu können, muss ich meine eignen Vorzüge und Unzulänglichkeiten, meine eigene Geschichte kennen und annehmen können. Nur dann kann ich auch mein Kind mit all seinen Persönlichkeitsanteilen, den leisen und lauten, den fordernden und gebenden, den ängstlichen und selbstsicheren, den nachdenklichen und impulsiven, den zerstörerischen und konstruktiven…sehen und annehmen.

Erziehen heißt: Mein Kind beobachten, ihm zuhören, seine verschiedenen Seiten erkennen, sich in seine Sorgen und Nöte hineindenken, es verstehen lernen, es fördern und unterstützen, ihm Hilfestellung zu geben und auch immer wieder; im richtigen Rahmen; Grenzen zu setzen.

Dabei ist es sehr wichtig und hilfreich, mit dem eigenen inneren Kind Kontakt zu haben.

Dem inneren Kind begegnen

Auszüge aus dem Buch von A. Samuels und E. Lukan – Im Einklang mit dem inneren Kind:

„Egal wie alt du bist, ein Teil deiner Persönlichkeit fühlt, antwortet und handelt als Kind. Es ist dein inneres Kind. Meist behält es jene Emotionen für immer bei, die als Kleinkind dominant waren. Ein Blick zurück lässt erkennen, bist du meist traurig (wütend, ängstlich, unsicher usw.) so war dies wie erwähnt die vorrangige Stimmung deiner Kindheit. Dein inneres Kind hält an ihm fest, bis du sie aufgearbeitet und geändert hast. Genau gesagt: es setzt alles daran, um genau diese Emotion aufrecht zu erhalten. Der Kindanteil deiner Persönlichkeit sortiert alle laufenden Lebenssituationen und konzentriert  sich auf jene Teile, die auf diese bestimmte Emotion reagiert. Es zwingt dich, Gedankenmuster zu vollziehen, die diese Emotionen erzeugen.“

„Wer Kinder verändern will, muß sich zuerst selbst verändern.

Wer Kinder bei ihrer Entwicklung helfen will, muss zuerst die eigene Entwicklung ins Augenmerk nehmen. Wer selbstständige, selbstaktive Kinder haben möchte, muss zunächst sich selbst kritisch betrachten.

Wer Vertrauen von Kindern erfahren möchte, muss zunächst sich selbst Vertrauen schenken. Wer ein offenes, klares Verhältnis zu Kindern haben möchte, muss zunächst offen und klar mit sich selbst umgehen.

Wer Kinder mit Wahrheiten konfrontiert, muss selbst den Wahrheiten des Lebens in Gesicht schauen“               (Krenz – Kinder brauchen Seelennahrung, S. 60, 2008)

Das Thema Grenzen setzen beginnt bei uns selbst:

  • Wie habe ich als Kind Grenzen erlebt?
  • Welche Zuneigung/Akzeptanz habe ich dabei gespürt?
  • Wie wichtig sind mir meine eignen Grenzen und traue ich mir, sie aufzuzeigen und durchzusetzen? Spüre ich sie überhaupt?
  • Traue ich mich, konsequent zu sein und zu bleiben?

Kindern Grenzen zu setzen hat nichts mit Verboten und Strafen zu tun. Grenzen wollen nicht beherrschen sondern vielmehr leiten, führen, unterstützen, anregen, Orientierung und Sicherheit geben.

  • Was ist mir wichtig beim Grenzen setzen und beim „Nein-Sagen“?
  • Überlegen, welches „Nen“ ich mir ersparen kann, in dem ich bestimmte Gegenstände wegräume oder sichere.
  • Wenn ich Grenzen setze, muss ich über die Konsequenzen bei Regelverletzungen und Nichtbefolgen nachdenken.
  • Ich bin konsequent und dadurch berechenbar. Das „Nein“ von heute gilt auch noch morgen.
  • Tonfall, Mimik und Wortwahl müssen übereinstimmen – keine doppelten Botschaften! Kinder haben feine Antennen und können doppelte Botschaften noch nicht verstehen.
  • Klarheit – wenig Worte – deutliche Ansagen mit ruhiger Stimme ohne zu drohen.

Literatur:

Klaus Hurrelmann/Gerlinde Unverzagt     Kinder stark machen für das Leben

Liesel Polinski     Kleine Kinder entdecken die Welt

Remo H. Largo     Kinderjahre

www.monika-thier.de