Einnässen im Kindesalter – (k)ein Problem?

Expertenrat eines Kinder-Nephrologen

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Nachts immer noch nicht Trocken? Es betrifft viel mehr Kinder, als man denkt!

„Einnässen“ ist ein Thema, dass viele Eltern beschäftigt. Wie lange braucht ein Kind nachts Windeln? Ab wann gilt ein Kind als „Bettnässer“? Es hängt vom Alter des Kindes ab: 30 Prozent der Vierjährigen und 10 % der Siebenjährigen brauchen nachts noch eine Windel. Erst im sechsten Lebensjahr spricht man medizinisch von „Bettnässen“ (Enuresis).

Kinder, die nachts einnässen, strapazieren nicht nur die Waschmaschinen und die Nerven ihrer Eltern, sie leiden vor allem auch selbst unter den „Überschwemmungen“. Noch größer ist der Stress, wenn auch tagsüber die Hose nass ist. Im Kindergarten und vor allem in der Schule entstehen peinliche Situationen. Dabei kommt dies alles gar nicht so selten vor – nur redet niemand darüber. Auch ohne Einnässen können ein sehr starker Harndrang und sehr häufiges auf die Toilette gehen nerven oder zum Beispiel den Schulunterricht stören.
Nasse Hosen sind für die Eltern oft ein größeres Problem als für die Kinder. Dennoch stellen sich Eltern Fragen: Was ist normal? Wann ist eine Behandlung erforderlich bzw. wie kann man sein Kind unterstützen?

Was ist normal?

Das Trockenwerden ist ein komplexer Prozess, der wie andere Entwicklungsschritte beim Kind sehr individuell verläuft. In den Nieren wird der Urin produziert und über die Harnleiter die Blase befüllt. Mit der Füllung der Blase dehnt sich die Blasenwand und man verspürt einen Harndrang. Dieser wird an das Gehirn gemeldet. Die Kommunikation zwischen Gehirn und Blase ermöglich es die Blase am richtigen Ort und zur richtigen Zeit, nämlich auf der Toilette zu entleeren. Hierbei zieht sich der Blasenmuskel zusammen und der Beckenboden sowie Schließmuskel (=“das Blasentor“) öffnet sich. Die Koordination dieser Vorgänge ist für eine normale Blasenentleerung wichtig.

Tagsüber geht das Kind schon längst zuverlässig auf die Toilette, nur nachts klappt es nicht. Ob das normal ist hängt vom Alter des Kindes ab: 30 Prozent der Vierjährigen und 10 % der Siebenjährigen brauchen nachts noch eine Windel. Erst im sechsten Lebensjahr spricht man medizinisch von „Bettnässen“ (Enuresis). Tagsüber sollte ein Kind mit 5 Jahren sicher trocken sein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man bis zum 5. Geburtstag warten muss, um sein Kind einem Kinder-Nephrologen vorzustellen. Häufig kann durch eine frühe Korrektur eine langwierige Blasenentleerungsstörung vermieden werden.

Welche Formen des Einnässens sind zu unterscheiden?

Entscheidend ist, ob das Kind nur nachts, nur tagsüber oder tagsüber und nachts einnässt, da dies eine Bedeutung für die optimale Behandlung hat. Manchmal ist dies gar nicht so einfach zu unterscheiden, da auch ein sehr starker Harndrang tagsüber ohne Einnässen, ein Trockenwerden nachts erschweren kann. Es ist extrem wichtig die verschiedenen Formen des Einnässens zu unterscheiden und dann die optimale Behandlung zu beginnen, die oft zeitaufwendig ist und Geduld erfordert. Zunächst ist es wichtig organische Ursachen für das Einnässen auszuschließen. Insbesondere ist zu prüfen, ob das Kind schon mal über den Zeitraum von mindestens 6 Monaten trocken war oder nicht. Denn primäre Einnässen (noch nie trocken) und sekundäres Einnässen (schon mal länger als 6 Monate trocken gewesen) erfordern verschiedene Herangehensweise.

Prinzipiell werden unterschieden:

  • Einnässen in der Nacht bei normaler Blasenfunktion
  • Einnässen in der Nacht bei gestörter, nicht ausgereifter Blasenfunktion
  • Einnässen tagsüber

Formen der Blasenfunktionsstörung

  • Überaktive Blase
  • Aufschieben der Blasenentleerung
  • Verspannte Blasenentleerung (Dyskoordination)

Auch eine Verstopfung kann die Blasenentleerung behindern, da Blase und Darm sehr nahe nebeneinander liegen. Deshalb gehört die Behandlung einer Verstopfung mit ins Therapiekonzept.

Welche Rolle spielt die Psyche?

Meist ist ein psychisches Problem nicht die Ursache für das Einnässen, andererseits sind viele Kinder die einnässen, traurig, schämen sich oder haben ein geringes Selbstwertgefühl. Sind jedoch psychische Probleme im Zusammenhang mit Einnässen tagsüber offensichtlich (Aufmerksamkeits-Hyperaktivität-Syndrom (ADHS), starke Ängste, depressive Stimmung oppositionelles Verhalten,…), so ist eine gemeinsame Behandlung mit einem Kinder-/Jugendpsychiater(in) oder Kinderpsychologe(in) wichtig.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Entscheidend ist, dass das Kind selbst die Motivation hat, trocken zu werden. Prinzipiell sollte nicht der Erfolg, sondern das Bemühen belohnt werden. Die Behandlung richtet sich nach den Ergebnissen der Untersuchungen (Blasentagebuch, Ultraschall,…) und umfasst Beckenbodenfeedbacktraining, apparative Wecktherapie („Klingelhose“) oder medikamentöse Behandlung bis hin zur „Blasenschule“.

Wann ist eine Diagnostik oder Behandlung durch den Kinder-Nephrologen sinnvoll?

Prinzipiell sollte zunächst ausgeschlossen werden, ob eine organische Ursache hinter dem Einnässen steckt. Nicht wenige Erkrankungen der Nieren und Blase zeigen ein Einnässen als Beschwerde (Nierenfehlbildungen, Zystennieren, Harnwegsinfektionen…). Sind organische Erkrankungen ausgeschlossen, wird die funktionelle Störung genau klassifiziert, um dann eine gezielte Behandlung starten zu können.
Was ist ein Kinder-Nephrologe?
Ein Kinder-Nephrologe ist ein Kinderarzt, der zusätzlich ein Spezialist für die Blase und Nieren der Kinder ist

Expertenrat von:

Dr. med. Marcus Rudolf Benz

Kontakt:
Telefon: 089 2421564-0
Email: Termin@arzt-m1.de
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