Tanz der Tiefseequalle

Jugendbuch-Rezension

Von Christine Schniedermann

Niko ist fett. Er hat keine Freunde in der Klasse und wird ständig von den vorgeblich „coolen“ Mitschülern ausgelacht. Doch anstatt sich zu wehren, sagt Niko lieber nichts, lässt alles über sich ergehen, träumt sich in andere Welten und teilt diese mit seinem skurrilen Freund Little.

Sera hingegen ist ein sehr hübsches Mädchen und in der Klasse sehr beliebt. Auf sie hat es Marko, der coolste der coolen Jungs, abgesehen. Sera mag ihn auch. Glaubt sie zumindest. Doch als sich Marko während einer Klassenfahrt Sera nähert, sie betatscht, obwohl sie es nicht will, ist Niko zur Stelle und verlangt, die Finger von Sera zu lassen. Sera ist heilfroh und beginnt, sich Niko näher anzuschauen.

Später, bei der obligatorischen Klassenparty, will merkwürdigerweise keiner mit Sera tanzen. Sie bleibt übrig. Und Niko bleibt natürlich auch übrig. Irgendwas muss Marko angestellt haben, damit ihre Mitschüler Sera ignorieren. Kurzentschlossen tanzt Sera mit Niko, der Tiefseequalle, wie ihn alle aufziehen. Obwohl ihn alle ärgern, ist Niko noch nichts besseres passiert, als mit einem hübschen Mädchen zu tanzen. Sera hingegen kommt mit den Hänseleien – obwohl sie nur Niko betreffen – nicht klar. Sera und Niko beschließen, abzuhauen und irgendwie nach Hause zu kommen.

Während ihrer gemeinsamen Flucht lernen sie sich besser kennen. Sera findet Niko witzig und geistreich. Sie mag auch seine Augen. Und dennoch versteht sie nicht, wie man eigentlich so dick sein kann.

Niko ist verwirrt, weil er zuvor keinen engeren Kontakt zu Mitschülern hatte. Das mit Sera ist neu für ihn. Sera ist unentschlossen, weil sie Niko netter findet als erwartet, aber auch mit der Häme der Klassenkameraden und ausgerechnet ihrer besten Freundin klarkommen muss.

Stefanie Höfler erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Sera und von Niko – was sie denken, was sie fühlen, wie sie die Situationen wahrnehmen. Sera verleiht sie eine direkte, schnörkellose Sprache, gespickt mit typischen Jugendvokabeln. Niko erzählt dagegen ausführlicher, beschreibender und hat den größeren Wortschatz.

Die Geschichte um Sera und Niko beschreibt eindrücklich, wie ein Kind sich fühlen kann, das gemobbt wird. Gleichzeitig spricht sie das Thema Übergewicht unverblümt an. Im Verlauf der Geschichte werden Fassetten, Vor- und Nachteile der gegensätzlichen Figuren ohne moralische Erhabenheit sichtbar. Stefanie Höfler schreibt klar und präzise. Sie lässt Raum für wichtige und naheliegende Fragen und lässt Niko nicht als typisches Opfer erscheinen, sondern gibt ihm starke Charaktereigenschaften, die nur entdeckt werden wollen.

„Tanz der Tiefseequalle“ ist ein wunderbares Buch über Mobbing, Freundschaft und Verrat. Es erzählt direkt, aber einfühlsam, dass nicht immer alles ist, wie es scheint. Absolut empfehlenswert.

Das Buch wurde bereits mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis „Luchs des Monats März“ von Radio Bremen und er Wochenzeitung DIE ZEIT ausgezeichnet.

 

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Tanz der Tiefseequalle
Beltz & Gelberg
12,95 Euro
ISBN 978-3407822154
Alter: 12 – 15 Jahre

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Christine Schniedermann Autorin

Christine Schniedermann ist Mutter, freie Journalistin und Autorin

www.muensterlandroman.de