Eltern und nun?

Wie sich das Leben auch finanziell grundlegend ändert

Plötzlich zu dritt!

Das erste Kind stellt das Leben eines Paares häufig grundlegend auf den Kopf und verändert auch dessen finanzielle Situation nachhaltig. Was sollten frischgebackene Eltern hier beachten und wie sieht eine kluge Familien-Finanzplanung aus? Nachfolgend werden die wichtigsten Bereiche kurz unter die Lupe genommen.

Die Ausgaben steigen

2000 Windeln pro Jahr kosten je nach Marke zwischen 300 und 500 Euro – daran spüren die meisten frischgebackenen Eltern, dass ihr Nachwuchs die Haushaltskosten in die Höhe treibt. Doch dabei bleibt es nicht. Addiert man sämtliche Unterhaltskosten, geben Eltern für ihr Kind bis zu dessen 18. Lebensjahr etwa 148.104 Euro aus:

Wichtige Kostenpunkte im Laufe einer Kindheit

  • Laufende Kosten: Bis zum 6. Lebensjahr des Kindes geben Eltern nach Angaben des Statistischen Bundesamtes monatlich rund 587 Euro für den Nachwuchs aus. Etwa die Hälfte davon entfällt auf die laufenden Lebenshaltungskosten wie Ernährung, Kleidung und Wohnen. Die Freizeitgestaltung in Form von Spielzeug, Sport, Musikunterricht und Urlaub verbraucht den Rest des Budgets.
  • Einschulung und Besuch einer weiterführenden Schule: Hier müssen nicht nur Schulmaterialien und Nachhilfeunterricht bezahlt werden, sondern passen auch ihre Konsumwünsche an ihre erweiterten sozialen Kreise an. Die Folge: Ab dem 12. Lebensjahr kostet der Nachwuchs seine Eltern monatlich etwa 784 Euro. Dieser Betrag erklärt sich zusätzlich aus dem höheren Nahrungsmittelbedarf, den Kosten für das Schulessen und den speziellen Kleidungswünschen.
  • Endlich 18: Mit der Volljährigkeit fällt bei vielen Kindern nicht nur der Ausbildungsbeginn zusammen, sie haben auch ein Bedürfnis nach mehr Mobilität. Nicht nur die Kosten für den ÖPNV und Abschlussreisen tragen meist die Eltern, auch der Führerschein will finanziert werden (Kostenpunkt 1200 bis 2400 Euro).
  • Ausbildung und Studium: Die Eltern sind gesetzlich verpflichtet, ihrem Kind während der ersten Ausbildung Unterhalt zu zahlen – das gilt auch für Ausbildungen, die aufeinander aufbauen wie ein Bachelor- und Masterstudium. Diese Verpflichtung hat sogar Vorrang vor der eigenen Altersvorsorge und dem Finanzieren eines Immobilienkredits. Da bei einem Studium nicht nur Semestergebühren anfallen, sondern Studierende meist auch den eigenen Wohnraum in einer vom Elternhaus entfernten Stadt finanzieren müssen, kostet ein Kind seine Eltern bis zum Ende seines Studiums etwa 230.000 Euro.

Staatliche Hilfen: Welche wann sinnvoll sind

Ab 2021 wird das Kindergeld auf 219 Euro (erstes und zweites Kind), 225 Euro (drittes Kind) und 250 Euro (weitere Kinder) angehoben. Auch der steuerliche Kinderfreibetrag steigt auf 8388 Euro pro Jahr. Diese staatlichen Förderungen kommen allen Durchschnittsverdienern zugute. Doch welche Hilfen gibt es hierzulande darüber hinaus?

Kinderzuschlag: Wer zwar genug verdient, um seinen eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, aber nicht ausreichend hat, um seine Familie zu ernähren, kann den Kinderzuschlag von 185 Euro pro Monat beantragen. Er wird in der Regel Höhe gewährt, wenn das Bruttoeinkommen der Eltern bei einer Warmmiete von 700 Euro zwischen 1600 und 3300 Euro rangiert.

(Corona-)Kinderbonus: Um Familien während der Corona-Krise zu entlasten und die Wirtschaft zu stabilisieren, beschloss die Bundesregierung im Juni 2020 einen einmaligen Kinderbonus von 300 Euro pro Kind. Ausgezahlt wird er für jedes Kind, für das irgendwann im Jahr 2020 auch Anspruch auf Kindergeld bestand. Ob Familien vom Kinderbonus profitieren, hängt von der Höhe des Einkommens ab – denn wie das Kindergeld wird auch der Bonus im Rahmen der Günstigerprüfung mit dem Kinderfreibetrag verrechnet.

Baukindergeld: Bis 31.03.21 haben Familien Anspruch auf Zuschuss, wenn sie sich ein Eigenheim bauen oder kaufen wollen. Die Voraussetzungen: Eltern mit einem Kind dürfen nicht mehr als 90.000 Euro Haushaltseinkommen generieren, für jedes weitere Kind erhöht sich dieser Betrag um 15.000 Euro pro Jahr. Der Staat fördert den Bau oder Kauf einer Immobilie zur Eigennutzung mit 12.000 Euro pro Kind, die über 10 Jahre lang ausgezahlt werden.

Warum Vermögensbildung für Eltern wichtig ist

Je größer Kinder werden, desto größer werden auch ihre Wünsche: Ganz gleich, ob der Sohn ein Studium an einer teuren Privat-Uni anstrebt oder die Tochter als Berufsanfängerin Eigenkapital für einen Immobilienkauf braucht – im Leben junger Menschen gibt es viele Situationen, in denen Eltern mit etwas finanzieller Unterstützung vieles positiv beeinflussen können. Wer seinem Nachwuchs diese Hilfe zukommen lassen will, sollte selbst in jungen Jahren mit dem Vermögensaufbau beginnen. Schließlich wird der mit den Jahren immer leichter: Wer früher etwas auf die hohe Kante legt, profitiert stärker vom Zinseszins-Effekt.

Die Altersvorsorge der Eltern schützt die Kinder finanziell

Eltern brauchen ein gewisses finanzielles Polster, nicht nur um die Kinder zu unterstützen, sondern auch, um ihnen im Alter nicht auf der Tasche zu liegen. Schließlich ist der Nachwuchs unterhaltspflichtig, falls die Zahlungen aus Rente und Pflegeversicherung für die Eltern nicht ausreichen. Verdienen die Kinder allein oder mit ihrem Partner zusammen mehr als 100.000 Euro brutto pro Jahr, müssen sie in diesem Fall teilweise für den Unterhalt ihrer Eltern aufkommen. Auch das Vermögen der Kinder ist im Falle des Elternunterhalts nur zu gewissen Grenzen geschützt.

Wie lässt sich mit der Vermögensbildung beginnen?

Junge Familien, die gerade erst anfangen, ein Vermögen aufzubauen, sollten sich dabei die folgenden Regeln zu Herzen nehmen:

  1. Keine Konsumschulden machen

Zu Beginn der Vermögensbildung sollte erst einmal eine schwarze Zahl am Ende des Monats stehen. Das bedeutet: Wer regelmäßig seinen Dispokredit bis an den Rand ausschöpft und seine Kreditkarte in Raten abzahlt, sollte überprüfen, ob er zu viele Kredite für Konsumgüter aufnimmt. Den teuren Fernseher, das große Auto und das Sofa auf Pump zu kaufen, ist finanziell unklug, weil damit hohe Zinsen verbunden sind und keine positive Wertentwicklung zu erwarten ist. Insgesamt also ein doppelter Verlust für die Haushaltskasse. Für alle, die nachhaltig Vermögen aufbauen wollen gilt deshalb: Raus aus den Konsumschulden.

  1. Klug investieren

Gerade junge Familien, die sich in Zukunft die ersten paar Tausend Euro zusammensparen könnten, fragen sich, wo sie das Geld klug anlegen können. Schließlich sind die Zeiten gut verzinster Sparbücher längst Geschichte – einige Banken erheben auf Guthaben sogar bereits Minuszinsen. Bietet der Kauf von Aktien hier eine Alternative? Für kleine monatliche Sparraten eher nicht. Denn ein Depot mit wenigen Einzelwerten birgt ein Klumpenrisiko, d.h. der Verlust kann überproportional ausfallen, wenn nur ein Unternehmen wankt. Risikoärmer sind hier ETF-Sparpläne, die breite Indizes abbilden. Dabei kommt der DAX, der sich nur aus 30 Unternehmen zusammensetzt, weniger infrage – solider ist ein ETF auf den MSCI World, der 1650 global gestreute Unternehmen enthält. Viele Online-Banken bieten die betreffenden Sparpläne bereits ab einer monatlichen Sparrate von 50 Euro an.

  1. Das Eigenheim als Kapital?

Da die Zinsen auf den Kapitalmärkten sinken, flüchten Investoren zunehmen ins „Betongold“ und treiben die Immobilienpreise hoch. Die Folge: Fachleute befürchten für Zentren wie München und Frankfurt die Gefahr einer Immobilienblase. Inwieweit Familien in dieser Finanzlandschaft Vermögen durch ein Eigenheim aufbauen können, müssen sie im Einzelfall genau kalkulieren: Wie sieht die Bevölkerungsentwicklung im geplanten Wohnort aus? Welche Wertentwicklung ist zu erwarten? Und vor allem: Spart die Familie mit der Finanzierungsrate plus Nebenkosten und Instandhaltungsrücklagen gegenüber einer Miete Geld ein oder wird die Belastung erheblich höher?

  1. Gegen Risiken absichern

Wer als Familienhauptverdiener den größten Anteil der Lebenshaltungskosten stemmt und eventuell sogar für das Tilgen eines Immobilienkredits verantwortlich ist, sollte über eine Risikolebensversicherung nachdenken. Sie schützt Ehepartner und Kinder im Todesfall vor Überschuldung und sichert teilweise den gewohnten Lebensstandard.

Fazit: Kinder verändern das Leben auch finanziell

Ein Baby zu bekommen, ist in erster Linie ein emotionales Bedürfnis. Dennoch sollten junge Eltern von Beginn an den finanziellen Aspekt der Familienplanung im Auge behalten, um in den entscheidenden Jahren die beste Grundlage für ihren Nachwuchs zu schaffen. Dabei helfen können staatliche Förderungen und kluge Sparpläne.

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